Ausklinken

Ausklinken aus Stress und Anspruch

Für diese 15jährigen Schülerinnen und Schüler kann der Weg zu ihrer Bibliothek auch mal ein stürmischer Strandspaziergang sein, denn sie liegt auf einer Insel mitten in der Nordsee.

Wir leben alle auf Sylt. Einige sind auf der Insel geboren, andere kommen ursprünglich aus ganz anderen Weltregionen. Unsere Eltern arbeiten hier, und wir gehen hier zur Schule. Je nachdem wo wir wohnen, führt der Weg direkt am Strand vorbei, das ist natürlich etwas Besonderes.

Mit der Bücherei werden wir früh vertraut gemacht. Schon in der Grundschule kommen jeweils mehrere Klassen hintereinander mit ihren Lehrerinnen und Lehrern hierher, viele haben seitdem einen Bibliotheksausweis. Bei manchen gammelt der allerdings vor sich hin, schade eigentlich. Bis zum 18. Lebensjahr ist die Ausleihe kostenlos.

Natürlich könnte man sich eine noch engere Verbindung oder Kooperation von Schulzentrum Sylt und Bibliothek vorstellen, andererseits haben wir auf diese Weise in der Bücherei einen Freiraum. Für viele von uns ist die Bibliothek gerade deswegen ein regelmäßiger Treffpunkt geworden – ein Ort, an dem wir zusammen für die Schule lernen und uns austauschen können. Denn hier sind viele Medien vorhanden, die wir für den Unterricht brauchen. Gerade wenn man später studieren möchte, ist das ist eine gute Übung für dem Umgang mit wissenschaftlichen Bibliotheken.

Aber wir informieren uns hier auch über Dinge, die uns persönlich interessieren. Wir können uns ausklinken aus Stress und Anspruch. Man ist gern mal für sich. In der Sylt Bibliothek gibt es ruhige Ecken, wenn man sie braucht.

Das Ranking von Büchern gegenüber anderen Medien finden wir unnötig. Wir sehen darin kein Problem. Wir wissen genau, was wir über Social Media machen wollen und was in der Bibliothek los ist. Warum sollten wir keine Bücher mehr lesen? Die liegen so schön in der Hand. Aber wir bestimmen selbst, was und wie wir lesen. Dieses unverwechselbare Geräusch, wenn im E-Book das Umblättern der Seite simuliert wird, das ist auch cool.

Sylt Bibliothek. Die Mitarbeit von Jugendlichen hat hier eine lange Tradition, man nennt sie „Bücherkinder“. Organisiert wird diese freiwillige Arbeit über eine eigene App. Als „Bücherkinder“ sind Line und Aurelia so etwas wie Mädchen für alles: Sie organisieren die Bereitstellung regionaler und überregionaler Tageszeitungen in Print oder digitaler Version und betreuen die Onleihe Zwischen den Meeren, ein E-Learning-Programm.
Im Sommer ist die Insel natürlich voller Touristen: Da kommen zehn Auswärtige auf einen Insulaner. Manche von uns nervt das, denn die machen Inselferien, für uns ist das Alltag. Sylt gilt als Insel der „Reichen und Schönen“, und wenn man hier ganz normal lebt, dann prallen schon zwei Welten aufeinander. Benachteiligt fühlen wir uns aber nicht. Manchmal treffen wir auch Touristen in der Bibliothek. Sie leihen sich, genau wie viele von uns, gerne Krimis aus – nur bei ihnen sind es meistens Inselkrimis.

Die Jugendlichen sind um die 15 Jahre alt und besuchen zwei 9. Klassen des Schulzentrums Sylt auf Westerland, einem Gymnasium mit Gemeinschaftsschulteil.

Die Sylt Bibliothek wurde 2016 gründlich renoviert und verfügt über 15.700 Medien. Ihre spezielle Organisationsform, an der lokale, regionale und nationale, öffentliche wie private Körperschaften beteiligt sind, gewährt der öffentlichen Bibliothek jenseits der Metropolen professionellen Zuschnitt und international akzeptierte Standards.

Quelle: Goethe-Institut

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